Nordschleife


Tiefster Punkt: 334 m auf der Brücke bei Breidscheid
Höchster Punkt: 626 m bei der Hohen Acht
Höhenunterschied: 292 m
Stärkste Steigung:      17% bei der Auffahrt zum Flugplatz


Entstehung

Im Jahr 1922 wurde auf öffentlichen Straßen in der Eifel das Eifelrennen veranstaltet. Da die Durchquerung von Ortschaften im Renntempo besonders gefährlich ist kam man auf die Idee, eine permanente Strecke zu erbauen. 1925 wurde mit den Bauarbeiten einer "Ersten Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstrecke" in der strukturschwachen Region begonnen. Nachdem bis zu 3000 Arbeiter das Werk vollendeten, wurde sie feierlich am 18. Juni 1927 eröffnet. Rudolf Caracciola gewann das erste Autorennen auf einem Kompressor-Mercedes. Beim Eifelrennen im Jahr 1934 wurde hier der Begriff Silberpfeil geprägt, mit denen die erfolgreichen Rennwagen von Mercedes bezeichnet wurden. Ein Zuschauerrekord jagte den nächsten, bis Rudolf Caracciola den letzten Grand Prix vor dem Zweiten Weltkrieg gewann. Während des Krieges ruhte das Renngeschehen. Erst 1947 wurden wieder Rennen gefahren.

Mitte der 50er Jahre kehrten nur die Silberpfeile von Mercedes kurz zurück. Juan Manuel Fangio war der Spitzenfahrer dieser Zeit, und sein wohl bestes Rennen mit mehreren Rundenrekorden hat er hier 1957 auf Maserati gefahren.

1970 wurde die Nordschleife als Grand Prix-Strecke von der Formel 1 kurzfristig boykottiert, nachdem sich auf anderen Strecken schwere Unfälle ereigneten. Für Umbaumaßnahmen (weniger Sprungkuppen, Seitenstreifen mit Leitplanken) wurden bis 1971 17 Millionen DM investiert, und die F1 kehrte wieder zurück. Beim Eifelrennen 1974, bei dem abwechselnd Rennen von Autos und Motorrädern stattfanden, kam es zum Boykott der Motorrad-Spitzenfahrer aufgrund der für den Mischbetrieb nötigen Kompromisse bei der Streckensicherung (Strohballen für Motorradfahrer sind eine Feuergefahr für Autos).

Das endgültige Aus als Formel 1-Strecke war nach dem Auslaufen zweier Drei-Jahres-Verträge schon besiegelt, bevor der Formel 1-Weltmeister Niki Lauda am 1. August 1976 schwer verunglückte. Im Jahre 1980 fand der letzte Motorrad-GP auf der Nordschleife statt. Andere Rennserien wie die Formel 2, die DRM und die Sportwagen fuhren weiter übergangsweise dort, im Jahre 1983 auch auf einer auf 20.8km verkürzten Version mit provisorischen Boxen, da im Bereich der bisherigen Start-Ziel-Schleife Bauarbeiten im Gange waren.

Seit der Eröffnung der modernen GP-Strecke 1984 fahren die internationalen Profi-Rennserien nur noch dort, die nationalen Serien größtenteils auch.



Rennen

Der Saisonhöhepunkt auf der Nordschleife ist das Internationale ADAC 24-Stunden-Rennen für Tourenwagen, das auf der bis zu ca. 26km langen Kombination von GP-Strecke und Nordschleife durchgeführt wird. Hier nehmen bis zu 800 Amateure und Profis auf über 200 Autos teil. Mit seriennahen Tourenwagen werden auf einer kürzeren Kombination von GP-Strecke und Nordschleife ca. 10mal im Jahr mehrstündige Langstreckenrennen (VLN) absolviert.

Ebenfalls an Samstagen finden die Breitensportverstaltungen GLP und CHC statt, die sich auf die reine Nordschleife beschränken, so dass parallel andere Rennen auf der GP-Strecke ausgetragen werden können. Es besteht dabei auf der Nordschleife die Möglichkeit, sich mit seinem eigenen Auto durch erfolgreiche Teilnahme an mehreren Gleichmäßigkeitsprüfungen (GLP) für eine Rennfahrer-Lizenz des DMSB bzw. der FIA zu qualifizieren, die dann zur Teilnahme an richtigen Rennen wie CHC oder VLN berechtigt.



Rekorde

Die schnellste Runde auf der Nordschleife fuhr Stefan Bellof 1983 im Werks-Porsche 956 mit 6:11,130 min, was einen Schnitt von über 200 km/h ergibt. Die Rundenrekorde u.a. von Niki Lauda auf der alten, mit 22.8 km etwas längeren Variante entsprachen keinen ganz so hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Etwas länger brauchte Helmut Dähne für die offiziell schnellste Runde auf der 20.8km-Variante der Nordschleife mit dem Motorrad am 22.Mai 1993 im Rahmen einer sogenannten Zuverlässigkeitsfahrt: 7:49,710 min mit seiner Honda RC30.

Im Langstrecken-Rennbetrieb erreichen Porsche 996 mit Turbomotoren Geschwindigkeiten, die auf der reinen Nordschleife Zeiten von unter 7 Minuten entsprechen. Der CHC-Rekord wurde 2003 von Uwe Alzen mit 7:04 aufgestellt.

Bei Rekordfahrten mit einem Porsche, der offiziell straßenzugelassen ist, wurde 2005 eine Zeit von 7:15 erzielt. Noch vor wenigen Jahren war das Unterbieten der 8-Minuten-Grenze nur wenigen Straßenfahrzeugen vorbehalten, wobei zudem ehemalige Profi-Rennfahrer am Steuer nötig waren. Dabei ist zu beachten, dass im Vergleich zu Rennfahrzeugen zwar keine profillosen Rennreifen erlaubt sind, jedoch auch nicht deren regelbedingten Beschränkugen bei Ladedruck oder Mindestgewicht (1350kg) gelten.